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Stress lass nach...

So wie wir Menschen, können auch Tiere – also auch unsere Hunde – Stress haben. Da Stress im Allgemeinen nicht immer etwas Schlechtes ist, wird in negativen Stress (Distress) und positiven Stress (Eustress) unterschieden sowie in akuten Stress (kurz andauernd) und chronischen Stress (über eine längere Zeit andauernd). Positiver Stress ist die Dosis, bei der man sich wohlfühlt und leistungsfähig ist, er macht zufrieden und motiviert. Negativer Stress hingegen ist die Dosis, die negativ empfunden wird und krank macht.

 

Stress wird durch Stressfaktoren, auch Stressoren genannt, hervorgerufen. Zu diesen zählen unter anderem ...

  • Über- und Unterflutung von Sinnesreizen,
  • unzureichende oder fehlende Erfüllung von Bedürfnissen (zum Beispiel: Nahrung, Wasser, Schlaf, Sicherheit, Sozialkontakt, Gesundheit),
  • physische, aber auch psychische Unter- oder Überforderung,
  • Veränderungen von Lebensumständen (Umzug, Tod der Bezugsperson),
  • aversive Trainingsmethoden,
  • aber auch, wenn ein Hund an viele kleine belastende Situationen gewöhnt ist, kann eine Summierung der einzelnen Faktoren zu negativen Stress führen.

Prinzipiell ist Stress für die Anpassung bzw. für das Lernen eines Organismus notwendig. Dies ist allerdings nur möglich, solange es sich um positiven Stress handelt. Damit ist gemeint, dass ein gewisses Maß an Stressfaktoren nicht überschritten werden sollte, damit der Organismus - in unserem Fall der Hund - handlungsfähig bleibt. Das heißt Stress (im Maß) spielt auch beim Lernverhalten eine sehr große Rolle. Erlebt der Hund starken (akuten) oder langfristigen (chronischen) Stress, kann dies unter anderem zu Erkrankungen des Immunsystems, der Nieren, des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Trakts führen sowie zu Unverträglichkeiten und zu Veränderungen des Verhaltens (zB erhöhte Aggressionsbereitschaft) bis hin zum Tod.

Bildquelle: www.climbinginthekitchen.com

Stresssymptome beim Hund

Die Stresssymptome bei unseren Hunden können ganz unterschiedlich sein, oft sind diese auch rassespezifisch. Hunde, die für eine spezielle Aufgabe gezüchtet wurden, tendieren bei Stress eher dazu, diese Aufgabe zwanghaft auszuführen – übertriebenes Hüten bei Hütehunden, gesteigerter Jagdtrieb bei Jagdhunden usw.

Beim Erkennen der Stresssymptome ist es wichtig, zu den Anzeichen auch immer die Situation zu berücksichtigen. Handelt es sich bei den Anzeichen wirklich um Stresssymptome, ist man als Hundehalter je nach Notwendigkeit dafür verantwortlich den Hund aus der Situation zu holen. Die körperlichen Stresssymptome können unter anderem sein: vermehrtes Hecheln/Speicheln/Sabbern/Schäumen, laufende Nase, Muskelanspannungen, Zittern, Schütteln, ausgeschachteter Penis, aufgestellte Haare, Haarausfall oder Schuppen, vermehrtes Urinieren, Blähungen und vermehrter Kotabsatz bis hin zu Durchfall, Schweißpfoten und vieles mehr.

 

Weiters können sich Stresssymptome auch im Verhalten niederschlagen, indem vermehrte oder gar keine Beschwichtigungssignale mehr gezeigt werden, übertriebene Körperpflege bis hin zur Selbstverletzung oder Einstellung der Körperpflege, gesteigertes Bellen, Dauerbellen, Heulen, fiepen, winseln, Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, keine Reaktion auf Ansprache/Signale („nicht hören“), frisst nicht mehr (auch keine Leckerli), Übersprunghandlungen, Aufreiten, gesteigerte Ängstlichkeit/Sensibilität, erhöhte Bereitschaft zu Aggressionsverhalten, übermäßiges Trinken, stereotype Verhaltensweisen, und vieles mehr.

 

Hundehalter sollten die Stresssignale bzw. Stresssymptome seines/seiner Hunde erkennen und dementsprechend entgegenwirken können. Schnüffelspiele, entspannte lange Spaziergänge in ruhiger Umgebung, Graben, Bekauen von Knochen oder sonstigem, aber auch Ruhe und Entspannung haben eine stressmildernde Wirkung. Ebenso kann eine vertrauensvolle Bindung stressvermeidend bzw. -vermindernd wirken.