Mit Schnuller und Fell - So wird aus Kind und Hund ein Dreamteam

Kapitel 1 - Vorbereitung ist das halbe Leben und kann so vieles vereinfachen

Haustiere beeinflussen unser Leben auf vielerlei positive Weise, dies zeigen viele Studien. So erlernen Kinder, die mit Tieren aufwachsen, nicht nur soziale Verantwortung, Selbstkontrolle, Geduld und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, sondern auch mit natürlichen Prozessen, wie Geburt, Sexualität, Krankheit, Verlust und Schmerz umzugehen. Aber auch Empathie und Einfühlungsvermögen für andere, lernen Kinder, die mit Tieren aufwachsen. Darüber hinaus ist für viele Kinder das Haustier nicht nur ein Begleiter, sondern der beste Freund, eine Schulter zum Ausweinen, der Fels in der Brandung. Dies sind nur ein paar wenige Aspekte, bei denen sich (Haus)Tiere auf die kindliche Entwicklung positiv auswirken. Einzige Voraussetzung hierfür ist, dass ein harmonisches Zusammenleben zwischen Kind und Hund möglich ist. Hier spielen besonders wir Eltern eine tragende Rolle. Daher empfehle ich, sich bereits im Vorfeld Gedanken über das Zusammenleben zu machen und nicht abzuwarten, bis die ersten Problemchen auftauchen. Auch, wenn wir beim Thema Kind und Hund oft tierische Helden wie Lassy, Beethoven & Co im Hinterkopf haben, sieht die Realität nun mal leider nicht so einfach aus. Auch unsere Hunde sind fühlende Lebewesen mit Schwächen. Diese Schwächen können Grund dafür sein, warum ein Hund mit Kindern vielleicht nicht so entspannt zurecht kommt und es so zu Unfällen kommt. Aber wie Alexander Graham Bell bereits sagte, ist vor allem die Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. Deswegen ist es gut, wenn wir uns bereits im Vorfeld auch über die Gefahren Gedanken machen und Wege finden, wie wir diese Gefahren verhindern können. So möchte ich mit dieser Artikelreihe vor allem auch alle werdenden Eltern und Großeltern bei der Vorbereitung auf das künftige Familienglück unterstützen. 

 

Der wichtigste Schritt wie ich finde ist, sich zu allererst über einige Fragen im Klaren zu werden. 

 

Welche Veränderungen kommen auf den Hund und seinen sowie euren Alltag zu?

Manche Hunde sind es gewohnt, zu bestimmten Uhrzeiten spazieren zu gehen oder bestimmte Wege zu gehen. Mit Baby im Haus verändert sich mit großer Wahrscheinlichkeit diese Routine für euch und euren Hund, weil der Spaziergang nicht pünktlich wie bisher stattfinden kann oder anfangs vielleicht nicht so häufig wie gewohnt. Es kann aber auch sein, dass man neue Spazierwege einschlagen muss, weil Feldweg & Co für den Kinderwagen zu holprig sind. Diese für uns kleinen Veränderungen im Alltag können so manchen Hund richtig aus der Bahn werden. Daher empfehle ich euch, bereits jetzt langsam die Gewohnheiten zu verändern. So hat euer Hund genügend Zeit sich an die Unregelmäßigkeiten anzupassen, wodurch auch euer Alltag mit Baby enorm erleichtert wird.

Habt ihr spezielle Rituale mit eurem Hund, beispielsweise gemeinsames Kuscheln, Spiele oder ähnliches, dann sollten diese auch nach dem Einzug des kleines Zweibeiners weitergeführt werden. Vielleicht kann das ein oder andere Ritual sogar im Beisein des Babys stattfinden (zB Entspannungsritual). Notfalls wird das gemeinsames Ritual mit eurem Hund auf die Schlafenszeit des Babys verlegt.

 

Welche Bedenken oder Ängste im Bezug auf euren Hund und das zukünftige Familienmitglied habt ihr? 

Dies können Angewohnheiten sein, wie das tägliche Begrüßungshochspringen beim Heimkommen oder das Betteln beim Esstisch. Vielleicht ist es euer Hund auch gewohnt, bei euch im Bett oder auf der Couch zu liegen und zu kuscheln. Diese Dinge sind mit Baby dann womöglich nicht besonders angenehm. Wobei das Hochspringen schon während der Schwangerschaft problematisch sein kann, wenn man einen sehr stürmischen Hund hat. Vielleicht hatte euer Hund bisher auch nichts mit Kindern zu tun oder aber sogar schlechte Erfahrungen mit Kindern gemacht. Macht hier am besten auch ein Ranking, welche Dinge aus eurer Sicht vorrangig zu behandeln sind. Dies erleichtert es euch, für die kommenden Monate einen Trainingsplan zusammenzustellen und den Druck aus dem Training zu nehmen. 

 

Welche Bereiche in Haus und Garten sollen zur hundeneutralen Zone werden?

Macht euch vorher bewusst, ob euer Nachwachs Bereiche haben soll, in die euer Hund keinen Zutritt hat. Hier empfehle ich u.a. das Kinderzimmer. Dies erleichtert nicht nur, das Baby ohne Störung zu wickeln, sondern auch ungestörte Spiel-, Krabbel- sowie Schlafzeiten. Aber auch, wenn euer Nachwuchs größer ist, kann das Kinderzimmer ein toller Rückzugsort sein, wenn Freunde aus Kindergarten und Schule zu Besuch sind. Zugleich hat auch euer Hund die notwendige Ruhe, weil er nicht immer mitten im Geschehen der Kinder ist. Wartet mit der Regeleinführung aber nicht bis das Baby da ist, sondern nutzt die Zeit bereits jetzt. So tut sich euer Hund bereits ab der Zeit mit Baby leichter und auch ihr könnt euch voll und ganz ohne Ablenkung auf das Baby konzentrieren. Vor allem Kindergitter erleichtern hier die schrittweise Umsetzung, ohne den Hund abrupt aussperren zu müssen. Zugleich macht euer Hund durch die sichtbare Grenze auch keine Fehler.

 

Welche zusätzliche Unterstützung würde euch helfen, um die ersten Wochen mit dem Baby stressfrei zu erleben?

Vor allem die ersten Wochen nach der Geburt sind für Eltern und das Neugeborene die anstrengendsten. Als frisch gebackene Familie müssen sich die Eltern als auch das Baby erst richtig kennenlernen. Darüber hinaus muss der kleine Zwerg erst einmal im neuen Leben außerhalb von Mamas Bauch ankommen. Wie schnell und wie einfach das klappt, ist jedoch von verschiedensten Faktoren abhängig. Daher solltet ihr euch auch Gedanken darüber machen, ob, wie und in welchem Umfang euch eure Familie unterstützen könnte. Dies kann auch bei der Betreuung eures Hundes sein. In diesem Fall wäre es besonders sinnvoll, dass euer Hund bereits jetzt seine zusätzliche Bezugsperson näher kennen und vertrauen lernt. Plant daher bereits jetzt gemeinsame Gassigänge ein. Gibt es Besonderheiten, auf die bei Spaziergang, Hundebegegnungen etc. zu achten sind? Gibt es Wege, die euer Hund gruselig findet oder besonders liebt? Wie sieht der Spaziergang mit eurem Hund im Regelfall aus? Klärt diese und alle anderen für euch wichtigen Details mit der zukünftigen Bezugsperson eures Hundes. So hat euer Hund auch ohne euch seine Qualitätszeit und ist Zuhause dann auch zufrieden und stressresistenter. 

 

Im ersten Augenblick klingt das alles vielleicht kompliziert, anstrengend oder zeitintensiv, aber ich versichere euch, dass der Start in den Alltag mit Baby und Hund dadurch um einiges leichter fallen wird. Und für noch mehr Leichtigkeit möchte ich euch im nächsten Teil meiner Artikelreihe näher bringen, wie ihr bereits während der Schwangerschaft ein Entspannungs-/Einschlafritual für Hund und Baby aufbauen könnt. 

 

 

 

Abschließend möchte ich mich bei meiner geschätzten Kollegin Karin Immler von Know Wau – Training für Menschen mit Hund bedanken. Mit Hilfe ihres Onlinekurses „Kind und Hund – Freunde fürs Leben“ kann ich mein Wissen zum Thema weiter vertiefen, um meine eigenen Hunde und auch mich selbst bestens auf die große kleine Lebensveränderung im kommenden Jahr vorbereiten zu können.