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Mit Schnuller und Fell - So wird aus Kind und Hund ein Dreamteam TEIL 2

Kapitel 2 – Ritualisiert zu mehr Entspannung

Im ersten Kapitel dieser Artikelreihe habt ihr bereits gelesen, wie förderlich ein (Haus)Tier für die Entwicklung eures Kindes sein kann. Dass es aber auch etwas Vorbereitung braucht, damit dem zukünftigen Familienglück mit Hund nichts im Wege steht. Ebenso habt ihr auch schon erste Anregungen bekommen, worüber ihr euch bereits vor der Geburt eures Kindes Gedanken machen solltet, um es nicht nur eurem Hund, sondern auch euch selbst und dem Zuwachs entspannter zu machen. Unter anderem habe ich hier auch das Thema Rituale kurz angeschnitten. Wir wissen, dass Rituale nicht nur uns Menschen Sicherheit geben, sondern auch unseren Hunden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Hundebesitzer mit Ritualen arbeiten, auch, wenn es den wenigsten wirklich bewusst ist. Das kann beispielsweise das Anziehen für den Spaziergang sein. Die Art und Weise wie und wann der Spaziergang abläuft. Gibt es Wochenendrituale, die sich vom Arbeitsalltag unterscheiden? Wird beim Fernsehen jeden Abend mit dem Hund gekuschelt? Gibt es einen bestimmten Ablauf, wenn Besuch kommt? Die Liste der Möglichkeiten ist lange, daher nehmt euch wirklich die Zeit und überlegt kurz, welche Rituale ihr mit eurem Hund habt. Welche Situationen laufen bei euch und eurem Hund nach einem ganz bestimmten Schema ab? Ihr werdet sicherlich erstaunt feststellen, dass ihr das ein oder andere Ritual (unwissentlich) eingeübt habt.

 

Gerade bei Veränderungen sind Rituale besonders wichtig. Denn diese Rituale geben, wenn sich ein Faktor im (Hunde)Leben verändert, nun besonderen Halt. Daher nutzt die Macht, die solch ein Ritual mit sich bringt. Zusätzlich könnt ihr aber auch weitere Rituale während der Kugelzeit aufbauen, von denen ihr denkt, dass sie euch und eurem Hund später mit Baby helfen.

 

Mehr zur Kraft von Ritualen könnt ihr hier im Blogartikel meiner geschätzten Trainerkollegin Karin Immler von KnowWau nachlesen.

 


Da ich mich und auch meine Hunde derzeit ebenso auf die Geburt meiner Tochter vorbereite, habe ich mich für zwei Rituale entschieden, die mir besonders wichtig sind. Zum einen ein Entspannungsritual und zum anderen ein Besuchsritual. Zweiteres habe ich bis jetzt verabsäumt zu ritualisieren bzw. habe ich bis jetzt einfach nicht die Muse dazu gefunden. So verläuft zugegebenermaßen, sobald unsere Türglocke ertönt, der Empfang unseres Besuchs meist etwas chaotisch. Da mein ältester Bub, Nanuk, auf unsere wirklich extrem schrille Türglocke mit lautstarkem Bellen reagiert, habe ich mich für eine neue Türglocke entschieden, um mir das Training zu erleichtern. So muss ich nicht an der Desensibilisierung unserer bisherigen Türglocke arbeiten, sondern kann ganz entspannt mit einem neuen, unbelasteten Glockenton gleich am gewünschten Verhalten arbeiten. Mein Plan, ertönt die Türglocke, dann hätte ich gerne, dass meine drei Hunde auf die Decke wandern und dort entspannt warten, bis der Besuch Schuhe und Jacke ausgezogen hat und sitzt. Diese Art von Ritual erfordert, wie man sich schon denken kann, etwas mehr Geduld, Futterstücke und Training.

 

Das Entspannungsritual hingegen bedarf dafür aber viel weniger Aufwand und Geduld. Es kommt nicht nur eurem Hund zugute, sondern auch euch selbst und somit auch eurem Bauchzwerg. Schließlich weiß man bereits lange, dass der Fötus während der gesamten Schwangerschaft durch Außenreize positiv als auch negativ beeinflusst werden kann. Ein großer Faktor in diesem Zuammenhang ist Stress. Stress lässt sich heutzutage schwer verhindern, jedoch kann man unnötige Stressquellen so gut wie möglich vermeiden bzw. durch Entspannungsphasen minimieren. Ist die Mutter entspannt, ist auch der Bauchzwerg entspannt, denn sämtliche Gefühlszustände der Mutter nimmt das Baby im Bauch nicht nur war, sondern beeinflussen auch dessen zukünftiges Stresskostüm. Dies kann dann im schlimmsten Fall dazu führen, dass euer Baby dann zukünftig stressanfälliger ist und dadurch viel schneller zu Unruhe, Weinen und Schreien neigt. Da reichen dann oft die Unsicherheit der frisch gebackenen Eltern, verschiedene Alltagsgeräusche etc. aus. In spätestens solch einem Fall werdet ihr froh sein, wenn ihr ein funktionierendes Entspannungsritual habt. Und weil wir (mich eingeschlossen) auch einen oder mehrere Hunde zu Hause haben, werden wir dieses Ritual gleich so aufbauen, dass alle etwas davon haben ;-)

 

Ich habe mich für ein umfangreicheres Ritual entschieden, indem ich nicht nur meine eigene Stimme nutze, sondern auch mit Musik und Aromadüften arbeite.

 

Zum einen habe ich mir bereits jetzt ein Vorlesebuch mit einer einminütigen Gute Nacht Geschichte zugelegt, mit welcher ich das Ritual einleite. Die Geschichte kann sowohl von der Mama als auch vom Papa vorgelesen werden.

 

Die Wirkung der Stimme von Mama und Papa

Dass die Stimme der Mutter, als auch des Vaters beim Ungeborenen eine besondere Wirkung hat, wurde bereits bewiesen. Die der Mutter wird über die Wirbelsäule und das Becken in die Gebärmutter weitergeleitet, sodass sie viel klarer zu hören ist, als die Stimmen von außerhalb, die durch die Bauchdecke gedämpft und von den zusätzlichen Geräuschen im Mutterleib übertönt werden. Zusätzlich kann das Ungeborene die Stimme der Mutter auch durch die Vibrationen spüren. Die Stimme des Vaters hingegen, weil sie von außerhalb in den Mutterleib kommt, ist nicht so klar zu hören, hat aber auch eine ganz andere Wirkung auf den Bauchzwerg als die von anderen Menschen, weil die Mutter, während der Vater liebevoll mit Mamas Bauch spricht, Glücksgefühle ausschüttet. So hört euer Ungeborenes zwar Papas Stimme nicht so, wie sie wirklich klingt, aber kann von Mamas Glücksgefühlen profitieren. Darüber hinaus lernt das Baby nach der Geburt die Stimme des Vaters viel schneller von anderen männlichen Stimmen zu unterscheiden.

 


Währenddessen schalte ich meine Aromalampe ein, von der auch meine Hunde und mein Bauchzwerg durch die entspannte Wirkung des gewählten Aromaöls profitieren.

 

Die Wirkung von Gerüchen

Auch Gerüche passieren durch die Einatmung die Blut/Hirnschranke, sodass diese in euren Organismus bis zu eurem Bauchzwerg gelangen. So kann das Ungeborene im Mutterleib das riechen, was auch Mama riecht. Der Geruchssinn eures Kindes ist bereits ab der 7. SSW komplett entwickelt.

 

Wichtiges zum Einsatz von Aromaölen

Wählt nur Düfte, die ihr selbst „riechen“ könnt und auch eure Hunde mögen. Ist der Duft nichts für eure Nase oder die eures Hundes, wird er nicht zur Entspannung führen.

Greift unbedingt auf qualitativ hochwertige Produkte aus dem Fachhandel zurück (zB Reformhaus, Bioläden,…). Darüber hinaus darf in der Schwangerschaft nicht jedes ätherische Öl verwendet werden, da es Düfte gibt, die nicht nur wehenfördernde Wirkungen zeigen, sondern auch für den Fötus gefährlich sein können. Im Zweifelsfall lasst euch unbedingt von einer Fachperson beraten. Unter anderem kann ich euch die Facebookgruppe „AromaMAMA – dufte Hilfe von Müttern für Mütter“ oder auch „Aromatherapie, ätherische Öle und Aromaküche erleben“ empfehlen.

Ebenso sehr empfehlenswert in diesem Bezug ist das Buch von Ingeborg Stadelmann „Die Hebammensprechstunde“, die sich auch sehr umfassend mit alternativen Unterstützungsmöglichkeiten mittels Aromaölen während und nach der Schwangerschaft beschäftigt.

 


Abschließend schalte ich Musik ein – ich habe mich für klassische Musik entschieden – und lese – dieses Mal für mich selbst – ein Buch oder nutze die entspannte Atmosphäre, um selbst ein Schläfchen zu machen.

 

Die Wahl der Entspannungsmusik

Welche Art von Musik es ist, bleibt ganz klar euch überlassen. Hauptsache ihr entspannt euch beim Abspielen. YouTube hat unendlich viele Varianten von Entspannungsmelodien, da ist mit Sicherheit für jeden Geschmack das passende dabei. Es sollte jedoch immer wieder das selbe Lied oder auch die selbe Vorlesegeschichte sein, da man herausgefunden hat, dass Babys bei neuen Reizen (neue Geschichte, neue Melodie…) mit viel mehr Aufmerksamkeit reagieren und so aktiver bleiben, als bei bereits bekannten Reizen.

 


Wichtig ist, dass ihr während des gesamten Rituals selbst zur Ruhe kommt. Daher empfehle ich euch, alles was noch zu erledigen ist, vorher zu erledigen oder auf später zu verschieben, damit ihr euch währenddessen voll und ganz entspannen könnt. Genauso sollte euer Hund schon eine gewisse Grundentspannung mitnehmen, da der Hund ja selbst erst lernen muss, dass jetzt nicht gespielt wird, sondern nun die Zeit zum Dösen ist. Dies erreichst du mit einem zuvor gemachten entspannten Spaziergang, einer entspannten Spieleinheit oder dein Hund bekommt während des Ritualaufbaus zu dieser Zeit etwas zu kauen. So fährt auch dein Hund herunter und kommt entspannt zur Ruhe.

 

Den Entspannungsduft und/oder die Entspannungsmusik könnt ihr bereits während der Geburt für euer eigenes Wohlbefinden und spätestens nach der Geburt aktiv bei eurem Kind anwenden, wenn es einmal unruhig ist oder einfach nicht einschlafen kann. Zugleich habt ihr durch das Training während der Schwangerschaft den positiven Effekt der Entspannung auch bei euren Hunden erzielt.

 

Kurz zurück zum Thema Stress während der Schwangerschaft, weil auch ich kurzfristig hineingetappt bin. Auch viele kleine Trainingsvorhaben mit dem Hund können ein Zuviel an Stress sein, daher überlegt euch wirklich gut, welche Themen ihr mit eurem Hund noch vor der Geburt eures Kindes behandeln wollt. Was macht zur Erleichterung des späteren Alltags Sinn? Welche Dinge kann man vielleicht sogar ohne Training verändern? Ich kenne kaum jemanden, der nicht bereits seit Jahren ein, zwei Dinge auf der Trainings-To Do Liste seines Hundes stehen hat, aber bis jetzt nicht die Muse dafür gefunden hat. Spätestens dann, wenn große Veränderungen auf einen zukommen, neigen manche Menschen dazu, alles perfekt machen zu wollen und so werden dann auch diese bis jetzt nicht erledigten Trainingsziele wieder hervorgekramt. Das ist nicht nötig und macht unglaublich viel Druck, bei euch und bei eurem Hund. Das ist gerade jetzt nicht sinnvoll und auch nicht notwendig. Gerade während der Schwangerschaft gehört es leider dazu, dass man tageweise einfach sehr nah am Wasser gebaut ist, keine Geduld hat oder einfach zu müde vom Alltag ist. Das ist vor allem beim Training eures Hundes kontraproduktiv. Gibt es wirklich belastende Situationen, dann empfehle ich euch, fachlichen Rat oder trainingstechnische Unterstützung aufzusuchen.